Franggn Mafia – Glassigger aff Fränggisch. Fränkische Texte auf „geklaute“ Lieder

10.03.2020

Franggn Mafia  – Glassigger aff Fränggisch. Fränkische Texte auf „geklaute“ Lieder
Bildquelle:
Herbert Bauer
Über hundert Jahre Bühnenerfahrung und eingängige Songs, die jeder aus Rock, Soul, Blues und Folk kennt - das ist das Erfolgsrezept der Franggn Mafia: Fränkische Comedy und Mundart trifft auf bekannte Musikklassiker.

Die Franggn Mafia sind Glausi Herrmann (Gitarre), Heini Spielberger (Keybord), Stephan Hausen (Schlagzeug) und die beiden gebürtigen Feuchter Dscherri Norbert Czerwek (Bass) und Huddl Andi Hutzler (Trompete und Gesang). „Und Mafia haben wir im Namen, weil wir uns die Musik zu unseren Texten einfach klauen“, erklärt mir der Huddl. Vom Outfit her sind es alle ganz coole Jungs – die aber ordentlich einheizen.
Zusammen agieren die drei Franken, ein Schwabe und ein Oberbayer als Band vom oberpfälzischen Postbauer-Heng aus. Andi Hutzler hatte wie viele kein Wohneigentum in Feucht finden können und musste daher über die fränkische Grenze auswandern, konnte sich aber lange nicht mit dem „NM“ auf den Kennzeichen anfreunden. Das kommt in der Reichswaldhalle natürlich an - so wie Huddls Erlebnisse im katholischen Kindergarten mit Schwester Ewalda, in der Feuchter Realschule oder beim heftigen Anfall von Männerschnupfen, der durch den Besuch bei der Mama in Feucht mit Wadenwickeln und Hühnersuppe geheilt wird. Alles aus dem wirklichen Leben gegriffen, denn Sänger und Textschreiber Andi Hutzler schaut dem Volk genau aufs Maul und verarbeitet Erlebnisse und aktuelle Ereignisse. Ob beim Zahnarzt, dem Männerklo als letzter Männerbastion, beim Thema „Veganisches Bratwurstgehäck auf Puffreis“, Fettabsaugen, Tupper-Vorwerk-Thermomix oder den Diskrepanzen zwischen den Geschlechtern redet und singt er, wie ihm der fränkische Schnabel gewachsen ist. Dem Publikum macht’s sichtlich Spaß, kaum jemand hält es noch auf den Sitzen und alle singen die fränkischen Liedtexte mit, die die wenigsten vorher kannten.
Die Stimmung im Saal steigt kontinuierlich, die fünf Mafiosi auf der Bühne harmonieren perfekt, überzeugen mit Instrumenten-Soli und ziehen mit ihrer Musik und den fränkischen Texten das Publikum vollkommen in ihren Bann. Und bei jedem Lied ertappt man sich dabei, nach dem Original-Text zu suchen.
In „Des schmeggd ma hald goud“ entdeckt man Eddi Cochrans Summertime-Blus, in „Ring vo mei‘m Wansd“ Jonny Cash mit Ring of Fire, der von seiner Frau als Schlamper kritisierte „Loudi ganze Woar liegn’n“ ist eine Adaption von CCR‘s Proud Mary, aus Bourn in the USA von Bruce Springsteen wird beim Zahnarzt „Bohrn däi in mei Zäh“, Hey Jude von den Beatles erhält auf Fränkisch „Hey Du, edz gib’s hald zu“ und Cocaine von JJ Cale „Doud ma leid, kohsd geh“. Honky Tonk Woman der Stones wird zum „Mir doud mei Schädel so brumma“, Purple Rain von Prince zu „Bärbel renn“ und Huddl als Sven aus Thüringen singt zu Dream, Dream, Dream der Everly Brothers: „Ich bin der Sven - ich bin von driem.“ Bei Dire Straits Money for nothing gibt es dann mit „Mahni for nassing - I mog mei mtv“ sogar einen englisch-fränkischen Textmix, und das obwohl Franken nicht so gerne Englisch sprechen, wie Huddl erklärt, denn das klinge schnell zu sehr nach Loddar Maddäus.
Endgültig kocht der Saal, als zu der Musik von Sweet home Alabama die Fünf ihre fränkische Nationalhymne singen: „Swied houm Middlfranggn, bei uns is so schee“. Und natürlich darf ihr bekanntestes Lied nicht fehlen: Nagg, nagg, naggerd am Baggersee“ zu Bob Dylans „Knock, knock, knockin' on heaven's door“ – stimmlich deutlich besser als das Original. Da ist es kein Wunder, dass das begeisterte Publikum Zugaben einfordert.

„Wir sind ja schon ältere Herren – einer von uns ist schon über 60“ so die Mafiosi schmunzelnd, und man einigt sich auf zwei Lieder als Zugabe. Besonders das letzte hat es in sich, wo sie sowohl Musik und Text geklaut haben und „I bin der Bubb‘l-Mo“ auf Hey Joe von Jimi Hendrix einschließlich Gitarrensolo adaptieren, ehe alles in Quasi-Marschmusik mündet. Insgesamt ein hervorragend gelungener Abend zum Lachen, Tanzen, Mitsingen und Grooven.

Text und Foto Herbert Bauer für Der Bote

 

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