Mia san mia – auch in Franken

12.11.2018

Mia san mia – auch in Franken
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Markt Feucht
Was hat es mit dem bayerischen Jubiläum in diesem Jahr auf sich? Trockene Geschichte über Könige, Kaiser und Abgeordnete? Keineswegs. Zumindest dann nicht, wenn man Dr. Birgit Friedel lauscht.

Die Kulturhistorikerin bot ihrem Publikum in der Reichswaldhalle in Feucht am Tag des hundertjährigen Jubiläums einen Streifzug durch die bayerische Geschichte, der gespickt war mit anschaulichen Anekdoten und der jeder Langeweile entbehrte.

Die Ausrufung des Freistaats Bayern am 8. November 1918 war der Gipfel einer viertägigen Revolution, die mit einem Matrosenaufstand in Kiel begonnen hatte und die sich binnen vier Tagen in ganz Deutschland von Nord nach Süd ausbreitete, „und das ganz ohne soziale Medien“, wie Dr. Friedel betonte.

Für Auflockerung des Vortrags sorgten Pavel Sandorf mit Klarinette und Saxophon und Volker Graf mit dem E-Piano. Die Musiker begleiteten virtuos die eineinhalb Stunden mit passenden Stücken, unter anderem einem Ländler mit dem schönen Namen „Rehragout“, einer Romanze von Richard Strauss, „Mackie Messer“ aus der Dreigroschenoper, dem Frankenlied und der Bayernhymne sowie einem Stück von Carl Baermann, der in München als Klarinettist und Komponist wirkte.

Die Historikerin erläuterte die bayerische Geschichte, die zur Ausrufung des Freistaats führte, kleine Abstecher inklusive. So begann sie bei der Legende über die Entstehung der Weißwurst, die der Unwissenheit eines Fleischer-Lehrbuben geschuldet ist. Sie erzählte von den Wittelsbachern, Napoleon und dem ersten König Bayerns, Max I. Joseph, der 1818 auf die bayerische Verfassung geschworen hatte, und damit das Bürgertum in solch einem Maße stärkte, dass Bayern als offenstes und freizügigstes Land in Europa galt.

Über Ludwig I. und Ludwig II. – alias der „Kini“ – führte der Vortrag zu Schlössern, Trachten und Prinzregent Luitpold, der mit seinem Faible für Letzteres die Marke „Bayern“ mitbegründete. Im Jahre 1918 war die hundertjährige Regentschaft der Wittelsbacher vorbei, ebenso fast 750 Jahre Monarchie im Land. Es war die Zeit eines totalen Umbruchs in Deutschland.

Kurt Eisner, Mitglied der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (USPD), gelang es, die Revolution unblutig über die Bühne zu bringen. Seine Vorstellung von einer Räterepublik, in der auch Poeten mitbestimmen, ging allerdings schief. Eisner war als erster Ministerpräsident des Freistaats Bayern genau 100 Tage im Amt, als er sich entschied, seinen Rücktritt zu verkünden. Auf dem Weg zum Landtag wurde er von einem Revolutionsgegner erschossen.

Die letzten 100 Jahre bayerische Geschichte riss Dr. Birgit Friedel noch kurz an, setzte Franken in Bezug zu Bayern und endete mit folgender Antwort auf die Frage, was man aus den letzten 200 Jahren Geschichte lernen könne: „Wir können zufrieden und dankbar sein, was geschafft wurde. Vielleicht sollten wir mehr auf die Errungenschaften als auf die Defizite schauen, denn unser freies Leben hier geht zurück auf 200 Jahre Kampf von Visionären. Dessen sollte man sich bewusst sein.“

Das Publikum durfte zum Schluss selbst noch aktiv werden und die Musiker bei Haindlings Lied „Bayern, des samma mia“ lautstark mit einem „Jawoi“ unterstützen.

 

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