Mehr Toleranz für den Wolf

15.11.2017

Mehr Toleranz für den Wolf
Bildquelle:
Markt Feucht
„Eigentlich bin ich nur hier, weil ich wissen will, ob ich mit meinem Hund weiter im Wald spazieren gehen kann, wenn es hier Wölfe gibt.“ Diese Frage hörte man im Foyer der Reichswaldhalle vor dem Termin. Sie wurde beim Vortrag „Wölfe! Was kommt da auf uns zu?“ von Ulrich Wotschikowsky eindeutig beantwortet: ja, man kann.

Der Wolfsexperte sagt: Bei Angriffen von Wölfen ist der Fehler immer beim Menschen zu suchen. Die Tiere sind grundsätzlich sehr scheu. Den beiden bekannten Fällen, in denen Menschen von Wölfen getötet wurden, gingen jeweils Fehlverhalten der Zweibeiner voraus: so darf man Wölfe keinesfalls füttern, denn hierbei fällt die natürliche Hemmschwelle. Gibt es plötzlich kein Nahrungsangebot mehr, erachten die Tiere den Menschen nicht mehr als uninteressant und gehen auf ihn los – was für diesen durchaus den Tod bedeuten kann.

Wer dachte, einen romantischen Vortrag über den guten Wolf zu hören, war hier falsch aufgehoben. Mit Ulrich Wotschikowsky hatte der Umweltbeirat des Marktes Feucht einen versierten Experten nach Feucht geholt, der sachlich darstellte, weshalb sich Deutschland den Wolf leisten kann. Hier wäre Raum für ungefähr 440 Rudelterritorien von je 200 Quadratkilometern. 440 Rudel sind um die 4.000 Wölfe (in einem etablierten Rudel leben acht bis neun Wölfe, die jeweils ca. sechs Jahre alt werden). Dann wäre ein Viertel des Landes von residenten Wölfen besiedelt, die anderen drei Viertel wären lediglich Durchgangsland für die Tiere, da sie für eine Rudelbildung untauglich sind. Das Nürnberger Land ist mit seiner Mischung von Wald und Wiese übrigens sehr geeignet – laut Wotschikowsky wird es wohl nicht mehr lange dauern, bis sich hier Wölfe ansiedeln.

Seit dem Jahr 2000 hat der Wolf einen Schutzstatus in Deutschland und seitdem sind 26 illegale Tötungen registriert worden. Im Moment leben um die 500 Wölfe in der BRD. Der Experte hofft auf noch mehr Toleranz den Tieren gegenüber: „Sie tragen einen kulturellen Rucksack und gehen mit ihm regelrecht in die Knie, bei dem, was man ihnen alles nachsagt.“ Politische Fragen wie „brauchen wir Obergrenzen für Wölfe?“, „brauchen wir wolfsfreie Gebiete?“ oder „müssen wir den Schutzstatus absenken?“ zielen laut dem studierten Förster und aktiven Jäger nur auf eines hin, und zwar darauf, Wölfe zu schießen. Wotschikowsky meint, die Menschen nähmen sich das Recht heraus, über die Tierwelt zu bestimmen – eine überhebliche Haltung. Die Population regle sich von selbst, wenn der Mensch die Finger still hält. Einzig die Forderungen der Nutz- und Weidetierhalter sind für ihn nachvollziehbar.

Der Kleidung nach zu urteilen, waren im Publikum ganz offensichtlich einige Jagdfreunde, und nicht jeder der Zuhörer war Wotschikowsky positiv gewogen, das merkte man an einigen verhalten zum Ausdruck gebrachten Empörungen während dessen Vortrag. Allerdings gab es bei der anschließenden Fragerunde, die gut genutzt wurde, keine kritischen Töne.

Ulrich Wotschikowsky bot einen Fachvortrag, bei dem auch der Humor nicht zu kurz kam. Gut gesetzte Pointen lockerten die informative Stunde auf. Als Ernst Klier, der Vorsitzende des Umweltbeirates, ihm zum Abschluss ein Glas Honig aus dem Imker-Ort Feucht überreichte, freute sich der Wolfsexperte: „Endlich mal kein Schnaps!“

Ein Satz sei hier noch festgehalten: „Eine Wolfsspur beeindruckt schon allein durch ihre Zielstrebigkeit, die sie ausstrahlt.“ Der europaweit anerkannte Berater arbeitete viele Jahre u.a. für den Nationalpark Bayerischer Wald und die Wildbiologische Gesellschaft München. Seine Internetseite hat für Interessierte einiges zu bieten: http://woelfeindeutschland.de/

 

 

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