Dies- und jenseits der Theke - Szenische Lesung mit Arnd Rühlmann und Rolf Böhm

03.11.2017

Dies- und jenseits der Theke - Szenische Lesung mit Arnd Rühlmann und Rolf Böhm
Bildquelle:
Dorothée Krätzer
Es kann so schön sein, wenn sie harmonieren. Wenn der eine aufmerksam umsorgt wird und der andere sich entsprechend benimmt, beziehungsweise später mit Lob und Trinkgeld dafür dankt. Jeder, der Gast in einem Restaurant war oder eine Kneipe besuchte, hat Erfahrungen mit ihnen, seinen Gastgebern: den Kellnern und Bedienungen, die sich mehr oder weniger gut um sein Wohlbefinden bemühen.

Diesem Gast-Bedienung-Verhältnis widmet der Schauspieler, Kleinkünstler und selbst gelegentliche Kellner Arnd Rühlmann aus Bamberg eine szenische Lesung. Zusammen mit Rolf Böhm (unter anderem Musiker und Schauspieler) am Flügel stellte er in der Galerie des Feuchter Kunstcafés Bernstein „Dein Gast, das penetrante Wesen“ vor.

Sie sind alle vertreten: der ungeduldige Gast, dem zwei Minuten Wartezeit bereits zu viel sind, der Ober, der für ein Pils 27 Minuten braucht, der Sozialpädagogik-Studenten-Kellner, der mit diesem Job Geld fürs Studium dazu verdient. Auch die Wanderfreunde, die wie ein Überfallkommando die Gaststube belegen gehören in dieses Typen-Sammelsurium ebenso die Schnell-Besteller und die Ewig-Unentschiedenen.

Ein Vergnügen, dem Schauspieler in seine verschiedenen Bilder zu folgen, die er sehr authentisch serviert, oft begleitet von einem geahnten humorvollen Schmunzeln. Mit kurzen Anspielen leitet Böhm dazwischen von einem zum anderen Stück über, wenn er nicht Rühlmann bei seinen wenigen Liedern begleitet. Wie beim melancholischen „Invitation to the Blues“ (Tom Waits), das mit seiner Lyrik über eine Bedienung in einem Imbiss, seiner ruhigen Melodie und Rühlmanns gefühlvoller Interpretation sofort gefangen nimmt.

Sie und noch viele weitere Charaktere versammelt Rühlmann, lässt sie in Form von Texten und kleinen Szenen lebendig werden. Wenn er die drei alten Damen parodiert, die sich über die Süße des Federweißen - sehr süß, süßer, weniger süß - unsicher sind, oder Männer- und Frauenrunde mit ihren Bestellungen vergleicht - dort fünf Bier, hier ein Sammelsurium von Wünschen, teils nicht auf der Getränkekarte gelistet - dann steigt die Hochachtung vor der selbstbeherrschten Servicekraft in unermessliche Höhen. In Form einer Glosse geht es um den Futterneid (Text: Keto von Waberer), wenn bei Tortenstille Blicke die Teller der Nachbarn auf Größe und Inhalt taxieren. Dann wieder stehen gut beobachtete manifestierte Gästesyndrome im Fokus: unter anderem die Unterhaltung zu Stoßzeiten im Betrieb, die immer am ungünstigsten Ort statt findet, oder die Nummer „größter Geldschein“ an Feiertagen.

Gratulation zu diesem Programm, zu diesem abwechslungsreichen, geschmackvollen und würzigen Menu Surprise, das Rühlmann - Böhm bestens servierten.


Text und Foto: Dorothée Krätzer

 

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