Romantische Rosen und funkendes Feuerwerk

20.07.2017

Romantische Rosen und funkendes Feuerwerk
Bildquelle:
Dorothée Krätzer
35ste Schlossserenade in der Feuchter Reichswaldhalle: Sie haben sich viel für die diesjährige Schlossserenade einfallen lassen - der Gesangsverein Feucht und der Evangelische Posaunenchor begeisterten auch heuer mit ihrem beeindruckenden und sehr kontrastreichen Programm.
Während Martin Dechet, Leiter des Gesangsvereins, auf stimmungsvolle Romantik und leichte Muse setzte, hatte sich sein Instrumentalkollege, Posaunenchorleiter Ralf Tochtermann, für ausdrucksstarke Klassiker unter anderem aus Barock und Nationalromantik entschieden.

Leider zwang das wechselhafte Wetter auch heuer den Veranstalter, den Feuchter Kulturkreis, das Freiluftkonzert in die Halle zu verlegen. Zum, wie er es formulierte, „closed-air“ in der Reichswaldhalle und nicht wie geplant im Schlossgarten, konnte Bürgermeister Konrad Rupprecht zahlreiche Zuschauer begrüßen. In nicht ganz so lauschiger Atmosphäre wie im Grünen des Schlossparks, zog die Serenade dennoch schnell jeden in Bann. Bewährt hat sich hier die Gestaltung en bloc, wobei sich Vokalisten und Instrumentalisten abwechseln.

Schon der Auftakt präsentierte sich bombastisch: Tochtermann hatte mit seinen Bläserinnen und Bläsern die Feuerwerksmusik von Georg Friedrich Händel einstudiert. Ein ungewohntes Hörerlebnis, dieses bekannte Werk ganz ohne Streicher und Holzbläser allein von Blechbläsern gespielt zu hören. Dies entspreche beinahe der ursprünglichen Fassung, erfuhr das Publikum von Amanda Sugar, die als Moderatorin die Werke des Posaunenchores vorstellte. Der englische König Georg II habe ausschließlich Bläser und Pauken verlangt und Händel habe sich nur zähneknirschend dieser Vorgabe gebeugt. Der erste Verkehrsstau in London sei anlässlich der Feuerwerks-Generalprobe entstanden, denn an die 12.000 Menschen hätten damals dabei sein wollen. Auch in der Fassung allein mit Blechbläsern und Pauken - Schlagzeuger und Percussionist Daniel Piccon - entfaltete Händels Suite mit ihren prachtvollen Motiven ihre Faszination: die festlich-feierliche Ouvertüre, die das Bild eines feierlichen Aufzugs malt, das ruhigere „La Paix“ mit der Melodieführung der Hörner und Trompeten und „La Réjouissance“ mit seiner fröhlichen, an eine Jagdgesellschaft oder Reiterei erinnernden Rhythmen. Souverän und sicher meisterte der Posaunenchor diese Herausforderung, mit schönen Spannungsbögen, exakt und dynamisch bestens aufeinander abgestimmt. Ebenso gelungen die später folgenden „Bildern einer Ausstellung“ des russischen Komponisten Modest Petrowitsch Mussorgski, die der Posaunenchor spannungsreich und dramatisch interpretierte. Vielversprechend auch die Vorstellung der Jungbläser, sowohl René Sugar (9), der allein ein Posaunensolo (Torero Marsch aus Carmen) spielte, wie auch die Gruppe U21.

Mit kurzweiligen Liedern setzt der Gesangsverein einen kontrastreichen Gegenpol. Bis auf wenige Ausnahmen hatte Dechet a capella Stücke ausgewählt, wie das Eingangslied „An hellen Tagen“. Originell das anschließende Echo-Lied von Orlando di Lasso, der hier mit der Freude des Nachahmens spielt: Ein Quartett wiederholt als Echo alles, was der Chor singt vom freudigen „Hallo“ bis zum ärgerlichen „Schweig doch du“. Sicher und schwungvoll, dabei gut abgestimmt und mit viel Gefühl sangen die rund 60 Sängerinnen und Sänger die ansprechenden Melodien. Romantisch schwärmerisch und zart wurde es bei den beiden anrührenden Kompositionen von Alexander Ilg („Die Mondnacht“ und „Die Nachtigall“), Vertonungen zweier bekannter Gedichte von Joseph von Eichendorff. Sehr schön die modernen Stücke am Ende, bei denen der Chor unter anderem ein Spiritual und „Sing“ (a Song) von Joe Raposo vorstellte - davon hätte es gern noch mehr sein dürfen.

Auch die 35ste Serenade zeigte, welche großartige Musiker und Sänger in Feucht musizieren, die mit ihrem Können, ihrem Schwung, der Leidenschaft für ihre Musik begeisterten.


Text und Fotos: Dorothée Krätzer


Bild oben:
Abwechselnd präsentierten Sänger und Musiker ihre Stücke bei der Schlossserenade in der Reichswaldhalle - hier singt der Gesangsverein Feucht mit Chorleiter Martin Dechet eines seiner beschwingten Lieder. Vorne: Daniel Piccon am Schlagzeug



Zeigte als Solist in der Feuchter Reichswaldhalle sein Können an der Posaune - Nachwuchsbläser René Sugar bei der 35. Schlossserenade


Schöne Tradition der Schlossserenade, dass sich der Nachwuchs dem Publikum vorstellt - hier die U21 Bläserinnen und Bläser des Evangelischen Posaunenchores unter Leitung von Ralf Tochtermann
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