Fasziniert von Elfachtel - Gankino Circus spielte „Irrsinn und Idyll“ in Feucht

26.04.2017

Fasziniert von Elfachtel - Gankino Circus spielte „Irrsinn und Idyll“ in Feucht
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Dorothée Krätzer
Sie selbst nennen ihre Musik Volksmusik und befreit man das Wort von allem, was mit Bierzelten und Brauchtümelei zu tun hat, ist es schlicht Musik, die gefällt, gespielt für die Leute. Darunter fällt dann sehr wohl Blasmusik, wie man sie auf Kirchweihen hört, aber ebenso populäre Lieder angesiedelt zwischen Orient und Okzident, von Rock‘n’Roll bis Klezmer und Gypsy-Swing,. Wird sie dann noch mit so viel Herzblut und Können präsentiert, wie es die vier Musikakrobaten von „Gankino Circus“ in der Feuchter Reichswaldhalle bei „Irrsinn und Idyll“ machten, klingt so ein mitreißendes Konzert noch lange nach.
Das musikalische Quartett aus „Westmittelfranken“, genauer aus Markt Dietenhofen (bei Ansbach), wie sie nicht müde werden zu betonen, lässt sich schwer einordnen. Gekleidet in einer Stilmischung, die kategorisch jede modische Andeutung vermeidet, zwischen Kniebundhose, Anzug mit Krawatte, Feinripp, Hacklstecken und Marderfell (statt Fuchsschwanz?) am Gürtel, wirken sie wie ihre eigenen Großväter. Mit ihrer Musikkapelle führten sie die Familientradition in Dietenhofen in fünfter Generation fort, erklärt Gitarrist Ralf Wieland zur Einleitung.

Die vier kennen sich von Kindesbeinen an. Als ihnen das gemeinsame Musizieren in der Blaskapelle nicht mehr genügt, verlagern sie 2007 ihren Auftrittsort auf die Straße. Straßenmusik sei ihre Seele, sagt Sens, denn dort lebe die Spontaneität, der sie sich verschrieben hätten. Von dort und ihren vielen Reisen nach Ost-und Südeuropa - unter anderem Kasachstan, Ukraine und Georgien - stammen die Einflüsse für ihre Musik, die sie bunt, schrill und schillernd wie im Zirkus präsentieren. Inzwischen kennt man Gankino Circus (Gankino nach dem bulgarischen Tanz im 11/8-Rhythmus) auch auf den Bühnen und im Fernsehen, denn die vier sind sehr gefragt. So erhielten sie beispielsweise 2012 den europäischen Folkpreis „Eiserner Eversteiner" und letztes Jahr den fränkischen Kabarettpreis.

Schon das Anfangsstück stellt Gankino Circus gebührend vor. Zuerst nur als rhythmische Hintergrundmusik mit Maximilian Eder (Akkordeon, Xylophon, Fränkische Rahmentrommel, Gesang) am Xylophon, Simon Schorndanner (Saxophon, Klarinette, Gesang) an der Klarinette, Johannes Sens am Schlagzeug und Wieland mit seiner Gitarre schleicht sich das Lied ein. Allerdings erkennt man die bekannte Melodie des bayrischen Ländlers nur noch in Andeutungen, denn Gankino Circus haben ihr einen ganz anderen Rhythmus und Phrasierung verpasst - wie wenn ein Trachtler Cowboystiefel und Fellmütze zur Lederhose kombiniert. Unter anderem spielt die Gitarre eine Country-Begleitung, als ob sie aus dem Wilden Westen stamme. Das geht sofort in die Beine, macht Laune - wie alles, was an diesem Abend noch folgt. „Krumme Rhythmen in Fränkischer Volksmusik“ nennen die vier Franken diese Vermischung mit Weltmusik, die ausgewogene Synthese zwischen Bierzelt und Balkan.

Dazu fabulieren die Dietenhofener, die sich seit Kindesbeinen kennen, wunderbare Geschichten, wie sie das Leben selbst nicht hätte skurriler schreiben können. Von der Tante Irene aus Oberschlesien, die ganze Hühner und Schweine in ihrer Friteusen-Badewanne frittierte, vom Werwolf, der ins Wirtshaus kommt und den finnischen Abendliedern für die Kühe (begleitet vom Muhen des Publikums - „aus sich rausgehen“). Sie gäben dadurch doppelt so viel Milch, sagt Wieland. „Was für die Kühe gut ist, kann fürs Publikum nicht schlecht sein.“ Natürlich darf der Hit aus der Dorfdisko „Sexy Kärwa“ nicht fehlen oder das fetzige „Americano“. Rock’n’Roll auf Fränkisch? Klar, wenn es Gankino Circus spielen. Großartige Nummer auch Sens Kleidertausch während seines Schlagzeugsolos, an dessem Ende er das Trikot seines Lieblingsvereins (TV 09 Dietenhofern) trägt.

Eine begeisternde Show, aus der das Publikum die Dietenhofener Zirkusleute erst nach zwei Zugaben in ihren Feierabend entließ.

Text und Foto: Dorothée Krätzer

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