Wer solche Freunde hat . . . kann es beim Jubiläum musikalisch krachen lassen

26.11.2015

Wer solche Freunde hat . . . kann es beim Jubiläum musikalisch krachen lassen
Bildquelle:
Herbert Bauer
Mit einem Trommelwirbel von Anselm Gayler und dem Benny Goodman Standard „Sing, sing, sing“ startete die Pavel Sandorf Bigband in das große Jubiläumskonzert des Musikbunds Feucht und mit dem gleichen Song verabschiedete sie sich nach fast zweieinhalb Stunden aus der Reichswaldhalle. Dazwischen lagen Highlights bester musikalischer Unterhaltung, viel Humor, virtuose Soli und Einlagen von kongenialen Musikerkollegen, denn nicht zuletzt hatte Orchesterchef Pavel Sandorf eine Reihe von „Freunden“ für diesen Abend angekündigt.
Als Vertreter des Marktes Feucht gratulierte zu Beginn Hauptamtsleiter Jürgen Meyer und nannte den Musikbund, der in diesem Jahr eben sein 30-jähriges Bestehen feiert(e), eine „tolle Sache“. Er tat sich ein bisschen schwer, das „Aushängeschild“ Pavel Sandorf Bigband zu loben, schließlich ist er ja selbst Mitglied dieses Ensembles. Doch das Publikum musste nicht über die Qualitäten des Orchesters informiert werden. Das umfangreiche und äußerst abwechslungsreiche Programm sprach mit einem Feuerwerk an lauten und leisen Hits und maßgeschneiderten Arrangements für sich.

Im ersten Teil zelebrierten die Musiker hauptsächlich das klassische Bigband-Repertoire mit Stücken à la Glenn Miller, Benny Goodman oder Duke Ellington im typischen Sound. Doch nicht nur der Gesamteindruck des Orchesters beeindruckte, sondern auch die fantastischen, mitreißenden Soli, die viele der Musiker an den Tag legten. Bei einer semi-professionellen Combo mit dem Ruf der Sandorf Bigband überraschte das Niveau natürlich nicht, aber trotzdem geriet das Publikum immer wieder ins Staunen, wenn die Solisten loslegten, wie gleich zu Beginn die Saxofonisten Dr. Birgit Friedel und Stas Morozov. Da dauerte es nicht lange, bis die ersten Bravo-Rufe zu hören waren. Überhaupt, die Saxofon-Abteilung: Zusammen mit dem Chef höchstpersönlich, Morozov und dem Ausnahmebläser Udo Schwendler war es vor allem diese sechsköpfige Truppe, die für den unvergleichlichen Sound bei den Swing-Klassikern zuständig war, jeder einzelne ein Meister seines Instruments. Morozov überraschte mit orientalisch angehauchten Eigenkompositionen auf dem Sopransaxofon, wechselte flugs zum Tenor und spielte das Auditorium mit seinen Einlagen immer wieder schwindlig.

Arrangeur und Schlitzohr
Ähnliches gilt auch für Schwendler, über den Sandorf eine Reihe von Anekdoten parat hatte, die alle in der Essenz mündeten, dass dieser Künstler nicht nur auf allen möglichen Instrumenten und sonstigen Gerätschaften musizieren kann, sondern auch ein ausgezeichneter Arrangeur, ein Schlitzohr und versierter Studiomusiker ist. Aber die Musikfans in der Region wussten das ohnehin, denn „der spielt in jeder Band“, wie der Chef versicherte.

Für den flotten Drive war natürlich der Schlagwerker Gayler zuständig, der den Rhythmus zusammen mit Max Köhler am Bass zuverlässig und treibend vorgab, eine solistische Bereicherung war unbedingt auch  Gitarrist Eugen Wasinger, der die unverzichtbare Zuhörer-Aktivierung übernommen hatte, aber auch zeigte, dass er schon mal  ordentlich abrocken kann. Ebenso eine feste Bank: Bettina Ordner am E-Piano, unauffällig aber äußerst einfühlsam, vor allem als Begleitung bei den Gesangsnummern.
Für die hatte sich Pavel Sandorf drei ausgezeichnete Gäste eingeladen, die den Abend noch runder machten als er ohnehin schon war. Die Sängerin Nathalie Haas interpretierte den bekannten Samba „Mas que nada“ mit viel natürlichem Charme und einem weichen Timbre in der Stimme, in erster Linie aber temperamentvoll und bewegungsfreudig.

Apfel fällt nicht weit vom Stamm
Die zweite Gesangssolistin war eine junge Dame, zu der Pavel Sandorf und Saxofonistin bzw. Musikbund-Vorsitzende Dr. Birgit Friedel einen ganz besonderen Bezug haben: Die 22-jährige Lea Joy ist ihre Tochter. Dass der Apfel auch hier nicht weit vom Stamm fiel, muss nicht erwähnt werden. Das junge Nachwuchstalent hatte sich den Klassiker „Fever“ ausgesucht und wurde ihm mit seiner vielversprechenden samtig-souligen Stimme absolut gerecht. Mehr Drive ließ die charismatische junge Sängerin bei  ihrer verswingten Version von „Orange colored sky“ erkennen und hinterließ den Eindruck, dass noch einiges an stimmlichem Potenzial in ihr schlummert.

Auch im zweiten Teil des Abends traten Gäste auf, die zum Teil lange Wegbegleiter von Sandorf und seiner Band sind. Mit einem brillanten Piano-Part zu rhythmusbetonten Latin-Klängen gratulierte Norbert Hiller, und dann nahm der Bandleader einen langen Anlauf, um den Musical-Star, „Frauenliebling“ und Entertainer mit dem besonderen Etwas in der Stimme anzukündigen: John Marshall, der gebürtige Engländer, der seit langem in der Region lebt, eroberte die Bühne im Nu, nicht nur mit seiner markanten Stimme, sondern auch mit seinem britischen Humor. Schlagfertig machte er einen Gag draus, als er die falsche Nummer ankündigte, selbstironisch kokettierte mit seiner Text-unsicherheit, als er den Prompter neu programmierte. Doch gekommen war er, um zu singen, und da hielt er, was Pavel Sandorf versprach. Mit zarten Popsongs, kräftigem Tenor, großen Gesten und einer kleinen Frank-Sinatra-Hommage setzte er kleine und große Glanzlichter im Programm. Nicht zuletzt erwies er sich auch als einfühlsamer Duettpartner mit den beiden Sängerinnen, wobei er mit Nathalie Haas das bezaubernde „Baby, it’s cold outside“ nicht nur sang, sondern spielte und mit Lea Joy entspannt in James Taylor’s „How sweet it is to be loved by you“ glänzte. Krönender Abschluss war  „New York, New York“, das die Gäste in der Reichswaldhalle mehr oder weniger überrollte.

Der Chef des Orchesters, der immer wieder Informationen und Erläuterungen auch persönlicher Art in seine sympathische und bescheidene Moderation einfließen ließ, dürfte nicht nur wegen der zwei geforderten Zugaben zufrieden gewesen sein. Anstelle der üblichen Danksagungen und Lobhudeleien erwies er seinen Musikerkollegen mit einem einfachen Satz seine Referenz: „Danke, dass ihr es so lange mit mir ausgehalten habt.“     
   
Text: Gisa Spandler
 
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