Der allerschönste Dialekt

23.11.2015

Der allerschönste Dialekt
Bildquelle:
Dorothée Krätzer
Sven Bach spielte in der Feuchter Reichswaldhalle - Füllte er im letzten Jahr zur Adventszeit noch das gemütlich-intime Feuchter Zeidlerschloss bis auf den letzten Platz, war es beim jetzigen Auftritt von Sven Bach die Feuchter Reichswaldhalle.
Nicht, wie von Veranstalter Kulturkreis Feucht ursprünglich gedacht, der kleineren Seitenteil, sondern der große Saal wurde benötigt, so viele Zuschauer wollten den sympathischen Nürnberger Mundartkabarettisten, Mundartdichter und -Liedsänger auf der Bühne erleben. Mit seinem Programm „Kranklach‘n is‘ g’sund“ zog er dabei kreuz und quer durchs Fränkische. Das begann bei den Spracheigenheiten, unter anderem der hohen Kunst der Aussprache mit „vorrumblndn braadn L“ und reichte bis zur gesunden fränkisch-mediterranen Ernährung und Gymnastikkurs mit Beckenbodenübungen für Männer.

Gute Laune, Freude am Dialekt und an der Heimat, das verströmt Bach, wenn er auf der Bühne steht, wenn er alle mit seinem breiten Lächeln niederstrahlt, lustig, locker, sehr fränkisch und mit genauem Blick auf seine Zeitgenossen und ihre Befindlichkeiten. Schon gleich zu Beginn gibt’s mit dem Lied von Hermann Strebel „Der allerschäinste Dialekt“ den obligatorischen Sprachtest für die „Hiesichen“ und die „Assawärdichen“, seien sie aus Winkelhaid oder Oberbayern. Da reimt sich Doldi auf roll di, sind die „Dullenraama“ (Kanalarbeiter) unterwegs und wird das Waggala (Kleinkind) gefüttert. Zu diesem „Gradmesser für das Verständnis“ und allen anderen Lieder begleitet sich Bach selbst auf seiner Quetsch’n. Ursprünglich, lässt er sein Publikum wissen, käme er von der Musik. So lockert er mit ihnen seine Gedankengänge auf, zelebriert sie genussvoll und überdeutlich. Die sprachlichen fränkischen Feinheiten wie den Kiefer locker lassen und die Zunge vorne anstoßen kommen unter anderem beim Lied mit „fränkischem Jodler“ (drari di rullala) besonders deutlich zum Einsatz. Mit lausbübischem Charme und so großartig übertrieben grimassierend macht er das, dass einen gelegentlich die Angst beschleicht, Bachs Zunge könnte stolpern, hängen bleiben oder sich verknoten.

Im Stadtteil Höfen („früher zwischen Nürnberg und Fürth, heute zwischen Datev und der Pyramide“) geboren und inzwischen in Zirndorf wohnend, hat er sich zu einem Grenzgänger zwischen Nürnberg und Fürth entwickelt. Obwohl, lieber lässt der Nürnberger die Luft aus seinem Fahrradreifen, wie er erzählt, als dass er länger als unbedingt nötig mit Fürther Luft über die Straßen radelt.

Wie ist der Franke gepolt und ist er das schon von klein auf? Liegt es vielleicht an der einen Hirnwindung mehr, die er besitzt? Und wo fühlt er sich daheim? Diesen Fragen spürt Dialektkünstler Bach in Feucht nach. Dabei beginnt er bei den Wurzeln, der Sprache, fängt mit dem unübersetzbaren Füllwort „fei“ an, steigert sich über „Allmächd“ und „Hoppala“ und das effektive Reden bis zur unschlagbaren „Läbberi“ (Lehm, Matsch). „Sie ist dann echt, wenn sich der Dreck so langsam durch die Zehen durchdrückt.“ Aus ihr schuf Gott übrigens den Adam, denn Gott ist selbstverständlich Franke, um genau zu sein aus dem Knoblauchsland. Höchstzufrieden habe damals ein „bassd scho“ diesen Schöpfungsakt begleitet. Der Franke denke anders, sagt Bach, beispielsweise habe er eine Meinung und suche anschließend nach Argumenten dafür. So zählten Schäufele hier durchaus zu den Krustentieren.

Für alle, deren Herz für Franken und seinen Rechen schlägt - egal ob Franke oder frankenphile Auswärtige - bei Sven Bach gab’s einen abwechslungsreichen, amüsanten und unterhaltsamen Blick auf die Eigenheiten dieser, zu den vier Stämmen Bayerns zählenden Volksgruppe.

Text: Dorothée Krätzer

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