Zeit der Weimarer Republik und des Nationalsozialismus

An  Ende des 19. Jahrhunderts hatte die Kiefernspanner-Epidemie den Reichswald zwischen Feucht und Nürnberg nahezu komplett vernichtet.

Zum Abtransport des Holzes wurden Feldbahnen eingerichtet. Die benötigten Arbeiter kamen zum großen Teil aus der Oberpfalz und siedelten sich in Feucht an. Dadurch wuchs die Bevölkerung Feuchts. Die Landwirtschaft florierte und die Handwerker hatten ihr Auskommen.

Im ersten Weltkrieg wurden viele Männer eingezogen und fehlten in der Landwirtschaft. Das führte zu einer vermehrten Arbeitsbelastung der Daheimgebliebenen. Bald gab es auch die ersten Gefallenen zu beklagen. Not und Entbehrung waren in den letzten Kriegsjahren vor Ort zu spüren, wenn auch nicht in dem Ausmaß, wie es die großen Städte betraf.

Der politische Umsturz  von 1918/19 ging in Feucht moderat vonstatten. Es bildete sich zwar auch ein Arbeiter- und Soldatenrat. Von Übergriffen ist jedoch nichts bekannt. So fand sich Feucht quasi über Nacht nach der Kaiserzeit in einer Demokratie wieder.

Der Erste Weltkrieg hinterließ auch in Feucht tiefe Wunden. Über 90 Männer wurden getötet und eine Vielzahl  wurde durch ihre Verletzungen und Amputationen für ihr restliches Leben gezeichnet.

Mit Notstandarbeiten versuchte die Gemeinde, wenigstens einigen der vielen Arbeitslosen Lohn und Brot zu geben. 1919 wählten die Deutschen – darunter auch erstmals die Frauen – die Nationalversammlung, die in Weimar die erste demokratische Verfassung beschließen sollte.

Das revolutionäre Rätesystem konnte sich weder in Bayern noch im Deutschen Reich durchsetzen, und so gingen die Kompetenzen des Arbeiter- und Bauernrats Feucht im August 1919 an den Gemeinderat über.

1920 geriet der Gemeinderat in eine tiefe Krise. Die Zusammenarbeit der verschiedenen Parteien wollte nicht gelingen. Der Grund waren die noch ungewohnten demokratischen Strukturen.

Die Hyperinflation des Jahres 1923 fand auch in Feucht ihren Niederschlag. Preise und Löhne galoppierten im unvorstellbaren Maß. So stieg das Gehalt des Bürgermeisters Pritzel von 2.083,- Mark monatlich im 1. November 1922 auf  20 Millionen Mark  im Oktober 1923. Ersparnisse lösten sich in Nichts auf. Viele Bürger waren zu Notverkäufen ihrer Immobilien gezwungen. 

Im Herbst 1923 wurde die Rentenmark eingeführt und damit die Inflation beendet. Das Leben normalisierte sich und ging trotz der Nähe der Großstadt noch recht ländlich vor sich. Höhepunkt im Landleben war die Kirchweih, die in der Hauptstraße  zwischen der katholischen Kirche und dem Marktplatz gefeiert wurde. Große Attraktion war das zweistöckige Karussell, das am Marktplatz aufgestellt wurde. Auf drei Eisenbahnwaggons kam es am Bahnhof an und wurde mit Pferdefuhrwerken zum Marktplatz gefahren  (siehe Galerie - Foto 1 und 2).

Ein großes Problem war die Wohnungsnot, denn durch die Eisenbahn und die neu gegründeten Industrieunternehmungen kamen viele neue Bürger nach Feucht.

Zwischen den beiden Weltkriegen entstanden  fünf Wohnsiedlungen. Die „Alte Siedlung“ wurde unmittelbar nach dem Ersten Weltkrieg durch die Siedlervereinigung Feucht  entlang der Nürnberger Straße gebaut. 1924 entstand die Siedlung „Sommerkeller“, auch “Beamtensiedlung“ genannt. Sie war ebenfalls genossenschaftlich organisiert, wurde von der Reichsbahn finanziert und schuf Wohnraum für Bahnbedienstete. Es folgten „Tannensteig“, und die Schottenfeldsiedlung“, ein Projekt des Bayerischen Siedlungswerkes.

Die Bevölkerungszahl stieg von 1.418 im Jahr 1919 auf 3.231  im Jahr 1939. Feucht wurde in dieser Zeit zu einer Wohngemeinde im Einflussbereich der Großstadt und konnte sich den politischen Auseinandersetzungen nicht entziehen.

Zu den Bürgerliche und den Sozialdemokraten kamen nun die Kommunisten und die „Völkischen“. Die Weimarer Republik war ungewohnt. Man stand ihr skeptisch gegenüber.  Antidemokratisches Gedankengut fand seinen Boden.

Schon Anfang der 1920 Jahre war die paramilitärische Vereinigung „Reichsflagge“ in Feucht aktiv und fand unter den ehemaligen Soldaten ihre Anhänger. Etwa ein Drittel der Feuchter Wähler votierten für die SPD, 10% für die Bayerische Volkspartei.

1923 eskalierten in Feucht die Gegensätze zwischen rechts und links. Die Vorfälle forderten sogar ein Todesopfer. Die NSDAP hatte es Mitte der 1920iger Jahre schwer, in Feucht Mitglieder zu finden. Erst 1928 änderte sich das, als einige junge Männer bei der Reichstagswahl plakatierten. Die NSDAP errang 147 Wählerstimmen. Erst 1930 gründete sich in Feucht eine Ortsgruppe der NSDAP. Aber schon 1930 erhielten die Nationalsozialisten 440, die Sozialdemokraten nur 377 Stimmen.

1932 kam es zur so genannten „Kirchweihschlacht“ wo SA-Männer auf die SPD- und  gewerkschaftsnahe Kampforganisation „Eiserne Front“ trafen. Es kam zu wüsten Schlägereien mit zahlreichen Verletzten. Eine Hundertschaft der Landespolizei aus Nürnberg beendete die Auseinandersetzungen. In der Wahl vom 5. März 1933 erhielt die NSDAP 813 Stimmen, die SPD 379, die BVP 127 und die KPD 12. Auch in Feucht setzte sich nun die NSDAP brutal durch. Am 23. April 1933 wurde der bisherige Bürgermeister Schweigert abgesetzt. Seinen Posten übernahm Georg Hofmann (siehe Galerie - Foto 3).

Obwohl es in Feucht keine Juden gab, wurde der Hass gegen die Juden auch hier geschürt. Schon 1933 wurden an Ortseingängen Schilder mit der Aufschrift: „Juden sind hier nicht erwünscht“ aufgestellt. Einen Boykottaufruf gegen Nürnberger jüdische Geschäfte und Warenhäuser erließ der Marktgemeinderat schon am 7. September 1933. Übergriffe auf politische Gegner, die für einige Zeit im KZ Dachau inhaftiert wurden, gab  es leider auch hier.

In und um Feucht waren in den ersten Jahren des Nationalsozialismus große Veränderungen zu sehen. Die Reichsautobahn von Berlin nach München (heute A9) wurde gebaut, im Wald eine Munitionsanstalt. Schon seit 1907 gab es eine elektrische Stromversorgung (siehe Galerie - Foto 4 und 5). 1934 wurde die zentrale Wasserversorgung in Betrieb genommen.

Im Eichenhain wurden Wege angelegt und ein kleiner Pavillon zu Ehren Hindenburgs errichtet (siehe Galerie - Foto 6). Arbeitslosigkeit gab es nicht mehr.

Die NS-Propaganda war allgegenwärtig. Zahllose Aufmärsche der Parteiorganisationen, viele politische Veranstaltungen mit vielen Hakenkreuzfahnen fanden statt (siehe Galerie - Foto 7). Besonders die Jugend stand im Mittelpunkt der Propaganda.

Ab 1938 war die Mitgliedschaft im Jungvolk für alle zehnjährigen Jungen Pflicht.  Mit 14 Jahren wurden die „Pimpfe“ in die Hitlerjugend übernommen. Den  Jugendlichen wurde die Möglichkeit zum Segelfliegen, zum Reiten, zum Segeln und zum Motorradfahren geboten. Damit konnte man die jungen Leute begeistern. Daneben standen die politische Schulung und eine vormilitärische Ausbildung.

Für die weibliche Jugend gab es die „Jung-Mädel“ und den Bund Deutscher Mädel, BDM. Die Männer waren in der SA  organisiert. Dort fand neben der politischen Schulung militärische Ausbildung statt. Der Umgang mit der Pistole und dem Gewehr wurden geübt. Dafür gab  es einen eigenen Schießstand im Waldgebiet der Platte (siehe Galerie - Foto 8,9 und 10). Auch der Sport hatte einen hohen Stellenwert. Eine weitere Männer - Organisation war die der „Politischen Leiter“. Für die Frauen wurde die NS-Frauenschaft“ geschaffen worden.  In  allen Organisationen wurde das Führer - Prinzip durchgesetzt.

Es ist schon erstaunlich, in welch kurzer Zeit der Nationalsozialisten sämtliche Lebensbereiche unter ihre Kontrolle gebracht haben. Mit Programmen wie KdF (Kraft durch Freude, Urlausreisen für den ganz kleinen Geldbeutel), Sammlungen für Bedürftige (WHW –Winterhilfswerk) und der NSV (Nationalsozialistische Volksfürsorge) wurde auch viele ehemals Linke für die NS-Partei gewonnen.

Schon vor Ausbruch des Krieges wurde der Luftschutz eingeführt. Der Umgang mit der Wasserspritze zur Brandbekämpfung  wurde geübt, die „Verdunkelung“ der Wohnungen geprobt. Die Stimmung bei Kriegsbeginn 1939 war anders als 1914 eher gedrückt. Das Leben lief zu nächst normal weiter. In der Umgebung Feuchts wurden Flak- und Scheinwerferstellungen gebaut. Viele Männer wurden eingezogen. Frauen und später Kriegsgefangene und „Fremdarbeiter“, zwangsverpflichtete ausländische Männer und Frauen,  mussten die Arbeit übernehmen. Die Lebensmittel wurden rationiert. Es gab Lebensmittelmarken und für die Bekleidung und Schuhe Bezugscheine.

Luftschutzkeller und Schutzbunker wurden zu Vorsorge des Luftkrieges eingerichtet, Löschwasserteiche angelegt. Dann war es soweit. In der Nacht vom 10. zum 11. August 1943 fielen Bomben auf Feucht und  brachten Zerstörung und Tod. Die katholische Kirche war nach dem Bombenangriff an der Nordseite völlig offen,  die evangelische Kirche total abgebrannt. 15 Wohnhäuser wurden zerstört oder  schwer beschädigt siehe Galerie - Foto 11). Weiter 12 Häuser wurden leicht beschädigt. Auch das Rathaus war getroffen worden.

 Je länger der Krieg dauerte, umso häufiger gab es Fliegeralarm. Durch den Luftkrieg war die Infrastruktur empfindlich gestört oder gänzlich zerstört worden. Die Lebensmittelversorgung wurde zunehmend schlechter. 

In  den letzten Kriegswochen hatten Tiefflieger die Menschen immer wieder in Angst und Schrecken versetzt. Diese machten nicht nur Jagd auf Fußgänger und Radfahrer, sondern beschossen auch die Züge, sodass die Passagiere in dien Wälder flüchteten, falls das möglich war.

In Feucht kam das Kriegsende am 17. April 1945, als die Amerikaner von Altdorf kommend, den Ort besetzten. Die Muna – Besatzung, die Wehrmacht und der Volkssturm hatten sich abgesetzt und so die Zerstörung des  Ortes verhindert. Auch das Sprengen der Autobahnbrücke über die Eisenbahn unterblieb, weil der Volkssturmkommandant gegen seinen ausdrücklichen Befehl die Brücke nicht zur Sprengung freigegeben hatte.

Nach dem Krieg war die Versorgungslage besonders schlecht. Flüchtlinge und Heimatvertriebene kamen nach Feucht und mussten aufgenommen werden. Die amerikanische Militärregierung hatte das Sagen.
 
In der Muna lagerten noch große Bestände deutscher Munition, darunter auch Gasgranaten (siehe Galerie - Foto 12). Die amerikanischen Truppen sprengten einen Teil der Bestände. Dabei kam es am 4. Mai 1946 zu einem großen Waldbrand, der das Muna - Gelände erfasste. Die Bevölkerung Feuchts musste evakuiert werden.

Gottlob explodierten keine Gasgranaten und der Brand konnte nach einigen Tagen gelöscht werden.

Erste demokratische Wahlen fanden am 27. Januar 1946 statt. Gegen zahlreiche Mitglieder der NSDAP und ihrer Unterorganisationen liefen Entnazifizierungsverfahren, die in so genannten Spruchkammern verhandelt wurden. Der Wiederaufbau der zerstörten Gebäude war eine Hauptaufgabe. Noch fehlte aber das nötige Baumaterial.

Im Juni 1948 wurde im Rahmen einer Währungsreform die D - Mark eingeführt. Die Schaufenster füllten sich mit bis dahin gehortete Waren. Langsam setzte der Aufschwung des so genannten Wirtschaftswunders ein. Zunehmende Gewerbeanmeldungen und immer mehr Beschäftigungsverhältnisse ließen  auch in Feucht die Notzeit nach dem Krieg bald vergessen.

Feucht erlebte in den Nachkriegsjahren einen starken Zuzug  von Vertriebenen. Durch seine günstigen Verkehrsbedingungen haben sich viele Pendler in Feucht nieder gelassen, die in der nahen Großstadt arbeiten. Wurden 1950 noch 5.143 Einwohner gezählt, waren es 1961 schon 7.894 und bei der Volkszählung 1987 (nach der Eingemeindung Moosbachs) 12.139 Personen. Die Kommunalpolitik hielt mit dem Wachstum des Marktes Feucht Schritt.

 Die nötige Infrastruktur in den Bereichen Straßenbau, Wasserversorgung,  Abwasserentsorgung wurde geschaffen. 1985 wurden die Feuchter Gemeindewerke gegründet, in deren Händen die Strom- und Wasserversorgung liegt. 1991 konnte das Feuchter Freibad eröffnet werden, das nach seiner Renovierung und Erweiterung heute „Feuchtasia“  heißt und auch von Gästen aus der weiteren Umgebung gerne besucht wird.  Durch die Gebietsreform wurde 1971 das Dorf Moosbach  in Feucht eingegliedert.

Verkehrsmäßig ist Feucht sowohl durch die Schiene wie auch die Straße sehr gut erschlossen (siehe Verkehr). Zwischen 2008 und 2010 wurde der Ortskern baulich neu gestaltet.

Da Feucht ringsum von Wäldern eingeschlossen ist, sind Erweiterungsmöglichkeiten kaum mehr vorhanden. Ein letztes Bebauungsgebiet „Am Reichswald“ konnte geschaffen werden, weil die Landmaschinenfabrik „Fella“ einen Teil ihres Betriebsgeländes veräußerte. Dort finden jetzt über 1.000 Personen in dicht gedrängten Reihenhäuschen Unterkunft und Wohlbefinden. Der Gewerbepark (siehe Galerie - Foto 13), der auf dem von den Amerikanern freigegebenen Gelände im nördlichen Teil der ehemaligen Muna entstanden ist, gehört zu 48% zum Markt Feucht und bringt beachtliche Gewerbesteuereinnahmen.

Text: Arbeitskreis Chronik Feucht



Impressum  ·  Datenschutzerklärung   ·   © 2009-2019 Markt Feucht  ·  info@feucht.de nach oben