Schulwesen

Die früheste Erwähnung einer Schule in Feucht geht auf das Jahr 1555 zurück.  Der damalige Schulmeister  beklagte sich über die geringe Bezahlung. Immer wieder mussten Schulmeister und Mesner „wegen großer Armut“  aus dem „Almosen“ unterstützt werden. Die finanzielle Situation wurde erst besser, als 1636 der Schuldienst mit dem Mesner- und 1682 mit dem Organistendienst vereinigt wurde.

Einen kleinen Teil ihrer Einnahmen bezogen die Lehrer aus dem Schulgeld, das die Kinder wöchentlich bezahlen mussten: ein ABC-Kind einen Kreuzer, ein Lesender und Schreibender zwei Kreuzer, ein Rechnender acht Kreuzer. Schulmeister wie Pfarrer wurden von der Stadt Nürnberg eingesetzt.

Es wurde unbedingte Treue und Gehorsam gefordert, sowohl zu den zivilen wie auch den kirchlichen Maßgaben der Stadt Nürnberg. Das Schulhaus stand an der Stelle des heutigen Mesnerhauses. Sein baulicher Zustand ließ viel zu wünschen übrig.

1715 schrieb Lehrer Paul Metzeler, dass nur eine einzige gar nicht so große Stube vorhanden sei und sich darin noch eine Schlafkammer befände. Besonders im Winter, wenn viele Kinder kämen, man sich kaum umwenden, noch niedersetzen kann.

1717 wurde schließlich ein neues Schulhaus gebaut, das heutige „Mesnerhaus“. Es enthielt wieder nur einen einzigen Schulraum.  Eine allgemeine Schulpflicht gab es noch nicht. Sicher war es so, dass im Sommer nur einige Kinder die Schule besuchten, weil sie daheim zu Arbeiten und Hilfsdiensten gebraucht wurden.  Im Winter dagegen hat der Schulraum kaum ausgereicht. Das Schulgeld für arme Kinder wurde oft aus der Kirchenstiftung bezahlt.

Ab 1802 musste jedes Kind sieben Jahre die „Werkstagsschule“ besuchen. Anschließend folgte die Sonn- und Feiertagsschule, die drei Jahre dauerte. 

1809 wurden im Schulsprengel Feucht, zudem auch Altenfurt und Gauchsmühle gehörte, 98 Schüler in einem Raum von einem Lehrer unterrichtet.  Erst 1830 – bei 130 Schülern – bekam der Lehrer einen Schulgehilfen. Jetzt gab es Schichtunterricht, wobei beide Lehrer im gleichen Raum unterrichteten.

1878 wurde ein weiterer Schulsaal angebaut (siehe Galerie - Foto 1). Bis 1890 stieg die Schülerzahl so an, dass ein dritter Schulsaal benötigt wurde. Er wurde im Rathaus eingerichtet (siehe Galerie - Foto 2). Als kleinste Klasse zog hier die Oberstufe mit dem 6. und 7. Jahrgang ein.  1928 erfolgte die Trennung von Kirche und Staat. Die Lehrer wurden  Staatsbeamte, die kirchliche Schulaufsicht abgeschafft.

Die Raumnot zwang die Gemeinde, ein neues Schulhaus zur Verfügung zu stellen. Ein ehemaliges Fabrikgebäude am Eichenhain wurde zum Schulhaus umgebaut. Es hatte die Länge von zwei Schulsälen. Ein Stockwerk wurde aufgebaut, im Keller ein Brunnen gebohrt und eine elektrische Pumpe angeschlossen. So hatte das Haus bereits eine Wasserleitung, lange bevor das Wasserwerk Feucht gebaut wurde.  Bald war die Schule wieder zu klein. Zwei weitere Säle wurden angebaut. In der  benachbarten ehemaligen Fabrikantenvilla  wurden drei Lehrerwohnungen eingebaut.

1931/32 wurden die nach Konfessionen getrennten Klassen der Bekenntnisschule eingeführt. Zum Turnunterricht ging man in den „Planksgarten“, zwischen Oberer und Unterer Kellerstraße gelegen. Später besuchte man den Platz des Sportvereins südlich des Kellerwaldes. Das ständige Wachstum der Feuchter Bevölkerung bescherte der Schule immer mehr Kinder, sodass auch weiterhin die Schulraumnot groß war. 1956 konnte ein Erweiterungsbau an der Schulstraße übergeben werden.  Mit 14 Schulräumen war der Mangel aber nur für wenige Jahre behoben.

1962 wurde der Plan für ein zukunftweisendes Schulprojekt vorgelegt, das in den folgenden Jahren zum Teil realisiert wurde (siehe Galerie - Foto 3). Für die Bevölkerung waren in zwei Kellerräumen gemeindliche Bäder installiert, weil viele Wohnungen damals weder über Dusche noch Bad verfügten. Auch die Schüler der 7. und 8. Klassen nahmen am Samstagvormittag regelmäßig ein Brausebad.

Für den Sportunterricht wurde die neu errichtete Turnhalle des Sportvereins an der Jahnstraße benützt. Heute befindet sich in dem Gebäude eine Druckerei. Auch der daneben liegende Sportplatz des Sportvereins durfte von den Schülern benützt werden (siehe Galerie - Foto 4).

1964, 1966 und 1970 wurde die Schulanlage weiter vergrößert, um  der gesteigerten Schülerzahl von 850 Schülern gerecht zu werden.

1968 erfolgte die Umwandlung der Bekenntnisschulen in christliche Gemeinschaftsschulen. Die Schulpflicht wurde auf neun Jahre erhöht.  1969 wurde die Schule in Grund- und Hauptschule geteilt. Mit dem qualifizierenden Hauptschulabschluss wurde auch eine Abschlussprüfung, der „Quali“,  eingeführt.

In den 1960iger und 1970iger Jahren besuchten die ersten Kinder so genannter Gastarbeiter die Schule. Die Eltern stammten zum großen Teil aus Italien, der Türkei, aus Griechenland und Jugoslawien. Sie erhielten damals schon muttersprachlichen Unterricht. Kinder muslimischen Glaubens wurden an einem Nachmittag von einem Religionslehrer ihres Glaubens unterrichtet.

Die Klassenstärke betrug nach wie vor 40 bis 45 Schüler. Für lernschwache Kinder wurden 1970 „Sonderklassen“ eingeführt, in denen sie  besonders gefördert werden konnten.

Wieder war die  Raumnot groß geworden. Jetzt entschloss man sich, für die Hauptschule ein neues Gebäude zu errichten. Es wurde 1976 eingeweiht. Schon zwei Jahre vorher war die „Wilhelm-Baum-Turnhalle“, eine Dreifachsporthalle für Grund- und Hauptschule übergeben worden.

Seit 1969 besuchen auch die Hauptschüler aus Schwarzenbruck die Feuchter Schule. 1977 konnte die zweiklassige Moosbacher Schule aufgelöst und die Kinder in Feucht unterrichtet erden. Die Moosbacher Kinder besuchten früher die Volksschulen in Birnthon beziehungsweise Altenthann. Schließlich wurde in Rummelsberg ein Schulhaus gebaut. Das war eine große Verbesserung, aber dennoch mussten die Kinder einen anstrengenden Fußmarsch durch den Wald zurücklegen. Erst 1955 war in Moosbach ein Schulhaus gebaut worden (siehe Galerie - Foto 5). Dieses Schulhaus ist längst Bürgerhalle.

Als die Schule  in Feucht wieder zu klein wurde,  entschloss sich die Gemeinde zum Abriss des gesamten Schulgebäudes und zu einem großzügigen Neubau, der 1988 bezogen werden konnte. Die lang ersehnte Aula wurde 1995 mit dem so genannten Mitteltrakt nach erneutem Umbau seiner Bestimmung  übergeben.  Nicht nur die räumliche Situation, sondern auch die Lehrpläne und die Unterrichtsgestaltung waren einem ständigen Reformprozess unterworfen. Die Lehrpläne von 1985 und 1997 wurden 2004 durch neue ersetzt.

Arbeitsgemeinschaften und Wahlpflichtfächer ermöglichen den Schülern, individuelle Schwerpunkte zu setzen, so im Chor, in Instrumental- und Trommlergruppen, Tanzgruppen, beim Schwimmunterricht oder in der Arbeitslehre. In „M-Klassen“ konnten begabte und fleißige Hauptschüler den Mittleren Bildungsabschluss, die „Mittlere Reife“, erreichen. 2009 wurden erstmals Ganztagesklassen eingerichtet.

Heute verfügt Feucht über eine gute ausgebaute und hervorragend ausgestattete Grund- und Mittelschule, wie sich die Hauptschule seit einigen  Jahren nennt. In den Räumen der Mittelschule ist auch eine „Private Fachakademie für Heilpädagogik“ untergebracht.

Längst gibt es Hortgruppen zur Betreuung der Schüler außerhalb der Unterrichtszeit und eine Mensa zur Einnahme eines Mittagessens.

Neben der Volksschule gab es in Feucht von 1898 bis 1939 eine Haushaltungsschule mit Internat. Träger war der Verein für Gemeindediakonie in Feucht. Geleitet wurde diese Schule von Augsburger Diakonissen. Die Schule hatte schon bald einen so ausgezeichneten Ruf, dass selbst aus Frankfurt und Wien Schülerinnen kamen. Gelehrt wurde alles, was eine zukünftige Hausfrau können musste, also Kochen, Wäsche pflegen, Haushalt führen. Daneben gab es auch Konversation in Deutsch und Französisch (siehe Galerie - Foto 6). Es war eine Schule für „Höhere Töchter“, die auf ihr späteres Eheleben vorbreitet werden sollten.  Allerdings gab es in den 1930iger Jahren die „Höheren Töchter“ nicht mehr, sodass die Schule 1939 ihren Betrieb einstellen musste.

Der Wunsch nach Errichtung einer Realschule wurde im Altlandkreis Nürnberg immer dringender. 1969 war es soweit: Die staatliche Realschule Feucht konnte ihren Betrieb aufnehmen. Aber es gab noch kein Schulhaus. Deshalb  zog die Realschule einstweilen in die Volksschule Feucht ein. 1970 erfolgte der Umzug in das neue Schulhaus an der Jahnstraße.

Das Interesse an de neuen Schule war riesig. 1972 konnte ein zweiter Bauabschnitt eingeweiht werden. Unterricht wird in zwei Wahlpflichtfachgruppen (Gruppe I: Mathematik und Physik, dazu technisches Zeichnen; Gruppe II: Buchführung, Wirtschaftskunde, Wirtschaftsrechnen,  Textiles Gestalten) erteilt.  Zudem wurde die Schule Seminarschule für Deutsch und Geschichte. Im Jahr 2000 erfolgte die Umwandlung in eine sechsklassige Schule.  2013/14 schließlich wurde das Gebäude total saniert.

Natürlich gibt es in Feucht auch eine Volkshochschule. Träger ist die Volkshochschule Schwarzachtal. Die Kurse finden in Altdorf, Burgthann, Leinburg, Schwarzenbruck, Winkelhai und eben auch in Feucht (in den Räumen der Grund- und Mittelschule) statt. Das Angebot umfasst Kurse aus den Bereichen  Gesellschaft und Leben, Kultur und Gestalten, Gesundheit, Fitness und Ernährung, Sprachen und Verständigung, Beruf und Karriere. Das umfangreiche  Angebot findet reichen Zuspruch bei der Bevölkerung.

Die Marktgemeinde kümmert sich auch um die Betreuung der Jugendlichen in ihrer Freizeit. Auf Initiative von Jugendlichen wurde 1973 ein „Jugendzentrum“, genannt „Juz’“, gegründet. Zunächst betrieben es die Heranwachsenden selbst. Sie gründeten einen Trägerverein. Später übernahm die Marktgemeinde die Betreuung und stellte zwei Sozialarbeiter für diese Tätigkeit ein. Derzeit ist ein neues Gebäude für das „Juz“ im Bau. Für die Kleinen und die Kleinsten gibt es Kindergrippen, Kindergärten und Horte in ausreichender Zahl.

Verfasst von  Konrad Barthel unter Verwendung von Unterlagen von Friedrich Zogel, (Zeitzeugenbericht, Feucht 2010).

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