Geschichte bis zum 1. Weltkrieg

Zur Zeit der Römer scheint das Gebiet zwischen Limes und Main nur dünn besiedelt gewesen zu sein. Im 6. Jahrhundert siedelten die Franken und die Bayern. Im Nürnberger Umland stießen die beiden Siedlungsbewegungen aufeinander.

Die Grenze zwischen dem fränkischen und dem bayerischen Einflussbereich verlief im frühen Mittelalter westlich von Feucht. Die Rednitz und die Pegnitz bildeten die Grenzen zwischen dem bayerischen Nordgau im Osten und den fränkischen Gauen im Westen.

Undurchdringlicher Wald bedeckte große Teile unserer Umgebung. Er durfte nicht gerodet werden und bildete quasi eine natürliche Barriere gegenüber der bayerischen Siedlungsbewegung.

Mit der Gründung der Nürnberger Burg bestand aber das Bedürfnis, eine Straße in Richtung Regensburg - Wien zu haben. Dies und die Nutzung des Waldes durch die Zeidler führten zur Gründung von Feucht, einer typischen Waldsiedlung mit nur beschränkter Ausdehnungsmöglichkeit. Der Ort gehörte zu dem von Nürnberg aus verwalteten Reichsdominium.

Die erste urkundliche Erwähnung verdankt Feucht seiner Kirche, die von Bischof Otto von Eichstätt zwischen 1188 und 1196 geweiht wurde.

Feucht war ursprünglich ein Rodungs- und Straßendorf ohne einheitlichen Ortskern. Die Güter und Höfe verteilten sich über zwei Straßen, die sich in der Mitte des Dorfes kreuzten. Von dieser Kreuzung aus konnte man Nürnberg, Regensburg, Altdorf und Schwabach erreichen.

Die Bevölkerung ging in der Regel der Landwirtschaft nach und hatte ihre Felder und Fluren im Gebiet zwischen Dorf und Wald. Ein etwas größerer Bach, der Gauchsbach, durchfloss Feucht und diente der Wasserversorgung und der Gewinnung von Energie für die Mühlen.

Nürnberg hat immer ein Auge auf dieses Dorf geworfen. Einen Tagesmarsch vor der Stadt gelegen, bot sich der Ort als letzte Übernachtung vor Nürnberg an.

Die Wälder um Feucht wurden zum königlichen Forst erklärt und in die Verwaltung des Reichsbesitzes integriert. Die Verwaltung von Feucht oblag dem Butigler von Nürnberg. Er war der höchste königliche Verwaltungsbeamte während der Stauferzeit (12. und 13. Jahrhundert) und hatte auch den Vorsitz des kaiserlichen Landgerichts. Mit dem Untergang der Staufer löste sich das Reichsland bzw. Reichsdominium auf. In das Machtvakuum stießen die Burggrafen von Nürnberg und die Reichsstadt Nürnberg vor.

Im Reichswald sicherte sich die Stadt Nürnberg zahlreiche Rechte, doch war die genaue Abgrenzung nicht geregelt. 1350 übergab schließlich Kaiser Karl IV. die Wälder beiderseits der Pegnitz für immer an die Reichsstadt. Damit waren die Zeidler durch Schwur in die Abhängigkeit Nürnbergs geraten. Doch der Kaiser gab ihnen im Rahmen ihrer Aufgabe als Waldbienenhalter bestimmte Rechte und Eigenschaften und bestätigte sie als Organe der Waldaufsicht.

Als die Burggrafen mit der Mark Brandenburg belehnt wurden und Geld brauchten, kam es zur Einigung über die Waldrechte. Die Reichsstadt erwarb 1427 die meisten,  darunter auch die Pfandschaft auf das Honiggeld und das Belehnungsrecht. Der Burggraf behielt jedoch einige Waldrechte. Darauf leiteten die Burggrafen bzw. Markgrafen von Ansbach-Bayreuth später Ansprüche auf den ganzen Reichswald und auch auf Feucht ab.

Die Lehen für die Verwaltung des Lorenzer Reichswaldes hatten ab dem 13. Jahrhundert die Familie Waldstromer. Die Waldbienenpflege war vom König den Zeidlern übertragen worden. Dafür mussten sie dem König Honig und Wachs, das so genannte Honiggeld als Abgaben entrichten (siehe Zeidelwesen). Bereits 1296 wird in einer Urkunde die Ernennung eines Zeidelmeisters bestätigt und das Zeidelgericht in Feucht erwähnt.

Feucht war von der ersten Besiedlung an Reichslehen und damit dem  Kaiser als Oberlehensherr unterstellt. Der übertrug die Lehen an weitere Lehensleute. Als kaiserliche Lehensleute trat in Feucht zunächst das Geschlecht der Feuchter auf und schließlich die Pfinzing, Ammon, Haller, Waldstromer und Peßler. Damit hielten Nürnberger Patrizier einen nicht unbeträchtlichen Teil der Lehen in Feucht und bestimmten damit auch einen Großteil der Geschichte des einfachen Bevölkerung. Die Bauern hatten lediglich das Untereigentum und damit die Nutzungsrechte.

Für Nürnberg war der Zugriff auf genug Brenn- und Bauholz aus den Wäldern unverzichtbar. Die Abhängigkeit von der Reichsstadt Nürnberg gab dem Ort, der sich im 15. Jahrhundert gut entwickelte, Rechtssicherheit und politische Stabilität.

Der Erste Markgrafenkrieg 1449 und die Hussitenkriege  (1419 – 1436) veranlassten die Reichsstadt, in den Dörfern Bauernmilizen einzurichten. Für Feucht wurden dazu 72 Männer bestimmt. 1542 verfügte Feucht über 56 Haushalte. 1550 gelang es der Stadt, das Obereigentum an der Mehrheit der Anwesen in Feucht zu erlangen. Mit Nürnberg trat Feucht 1525 zur Reformation über.

Feucht war das letzte größere Dorf vor der Überbrückung der Schwarzach bei Ochenbruck. Für die Benützung der Brücke wurde Zoll verlangt, der schon in Feucht kassiert wurde. Bis 1806 blieb der Zoll Obereigentum der Reichsstadt.

Bei den häufigen Kriegen der damaligen Zeit war Nürnberg durch seine Stadtmauer geschützt, nicht aber die kleinen Außenorte wie Feucht. Dem Ort wurde zwar die Umsäumung mit Palisaden und Graben gestattet. Es wurden aber nie Reste einer solchen Befestigung gefunden. Immerhin war Feucht nun  Marktflecken.

1366 wurde Feucht selbständige Pfarrei. Im 15. jahrhundert erhielt der Turm der St. Jakobskirche seine auch heute noch vorhandene Gestalt mit den vier Scharwachttürmchen. Da solche Aufbauten nur an Wehrbauten angebracht wurden, kann man  daraus schließen, dass die Feuchter Jakobskirche eine Friedhofsbefestigung hatte (siehe Galerie - Foto 1).

Im Ersten Markgrafenkrieg (1449 -1453) wurde Feucht vollständig niedergebrannt. 1502 kam es erneut zu Kampfhandlungen. Auslöser war die Frage des Kirchweihschutzes in Affalterbach, einem Weiler bei Schwarzenbruck, der heute nicht mehr besteht. Obwohl die Hauptkampfhandlungen vor den Toren Nürnbergs in St. Peter stattfanden, sollen sich die Truppen der beiden Parteien auch in Feucht und Altenfurt Gefechte geliefert haben.

Im Landshuter Erbfolgekrieg (1504-1505) wurde Feucht wieder ein Opfer der Kampfhandlungen. 1504 wurde der Ort von 2000 (ober)pfälzischen Soldaten total zerstört. Mit Ausnahme der Kirche waren alle Häuser niedergebrannt. Der Wiederaufbau dauerte Jahrzehnte.

Im Zweiten Markgrafenkrieg (1552-1554) wurde Feucht wieder völlig  zerstört. Dieses Mal gelang der Wiederaufbau schneller. Das Dorf erhielt nun ein Aussehen und eine Aufteilung, die sich bis ins 19. Jahrhundert erhalten hat. Zwischen 1550 und 1600 wurden drei Herrensitze erbaut, ein Zeichen für den Wohlstand in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts.

Im Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) begann für Feucht wieder eine schlimme Zeit. Bis 1631 lag Nürnberg im kaiserlichen Machtbereich. Die Umgebung musste vor allen Dingen Truppendurchzüge, Wintereinquartierungen und Truppenaushebungen der kaiserlichen Truppen aushalten. 

Von 1631 bis 1632 kamen schwedische Truppen mit König Gustav Adolf nach Nürnberg. Die Schlacht an der Alten Veste in Fürth und der vorangegangene Stellungskrieg verursachten enorme Verwüstungen im Nürnberger Landgebiet. Selbst nach Abzug der Schweden kehrte keine Ruhe ein, weil das Nürnberger Landgebiet durch Vorstöße schwedischer und französischer Truppen, zum andern durch kaiserliche Truppen erneut zum Kriegsgebiet wurde.

Am Ende des Krieges hatten 30 bis 40 Prozent der Bevölkerung ihr Leben verloren.  Erst 1649 zogen die letzten schwedischen Truppen von  Feucht ab „und verließen  dasselbige, wo nächtliche Diebstähle, Einbrüche und Raub an der Ordnung sind“.  Der Wiederaufbau ging schleppend voran. Noch 1656 waren zehn größere Anwesen nicht wieder aufgebaut.

In den Napoleonischen Kriegen (1791 – 1800) wurde Feucht erneut zum Kriegsschauplatz. Feucht wurde  sieben Mal von Österreichischen Truppen zur Einquartierung genutzt. 1791 kam es erneut zu Kampfhandlungen. 1800 wurde Feucht wieder direkter Kriegsschauplatz. Erst durch den Abschluss des Wiener Kongresses 1813 kehrt dauerhafter Frieden ein.  Dem Ort war nun eine relativ ruhige und friedliche Zeit vergönnt.

1792 hatte der letzte Markgraf Karl Alexander von Ansbach-Bayreuth abgedankt und sein Land an das Königreich Preußen abgetreten. Die Ansbacher Markgrafen hatten schon seit Jahrhunderten die Landeshoheit über die Reichswälder beansprucht, konnten sich aber gegen die Reichsstadt Nürnberg nicht durchsetzen.

Preußen setzte nun diese Ansprüche in die Tat um und preußische Truppen besetzten 1796 das Nürnberger Land einschließlich der Reichswälder bis an die Tore der Stadt.  Nürnberg war viel zu schwach, um sich gegen die preußischen Forderungen wehren zu können. Das von den Truppen besetzte Gebiet wurde von Preußen annektiert. Damit war auch der Marktflecken Feucht plötzlich preußisches Gebiet und in das königliche Justiz- und Kammeramt Burgthann eingegliedert.

Die Verbindung zur Reichsstadt Nürnberg war damit durchschnitten. Die preußische Herrschaft dauerte allerdings nicht lange. 1806 trat der preußische König die Provinz Ansbach an die Bayerische Krone ab.

Das Justizamt Burgthann war von 1806 bis 1808 in Feucht im Schloss am Kartäuserweiher untergebracht. 1808 wurde das königliche Landgericht Altdorf errichtet, zu dessen Sprengel nun Feucht gehörte.  Es gab jetzt 78 Anwesen und 530 Einwohner. Im Königreich Bayern konnte sich Feucht gut entwickeln.

Rechtliche Ungleichheiten und alle Privilegien wurden bis auf die Patrimonialgerichte beseitigt, die steuerlichen Abgaben vereinheitlicht. Das bayerische Gemeindeedikt von 1818 ermöglichte  eine kommunale Selbstverwaltung und begründete damit die moderne politische Gemeinde. Es gab den Gemeindevorsteher (so nannte man damals den Bürgermeister), fünf Gemeindebevollmächtigte (den heutigen Gemeinderäten vergleichbar) und den Pfleger, der für die Finanzen zuständig war. Sie wurden  von den stimmberechtigten Gemeindebürgern gewählt. Dies waren die männlichen Haushaltsvorstände, die auch über das Bürgerrecht verfügten. 1854 hatten in Feucht lediglich 106 Gemeindebürger von 856 Bewohnern das Wahlrecht.

Die Patrimonialgerichte, in denen die Grundherren noch die Zivilgerichtsbarkeit über ihre ehemaligen Untertanen ausübten, wurden 1848 endgültig abgeschafft. Erst jetzt waren die Bauern wirklich Eigentümer ihrer Anwesen und konnten eigenverantwortlich über Kauf und Verkauf entscheiden. Ein wahres Mammutunternehmen der neuen bayerischen Verwaltung war die Landvermessung. Um einen einheitlichen Grundsteuersatz umsetzen zu können, war die Kenntnis der genauen Größe der Grundstücke nötig. In Feucht und Moosbach gastierte die Katasterkommission 1834.

Feucht entwickelte sich in der langen Friedensperiode bis 1866 langsam, brachte es aber doch zu einen gewissen Wohlstand. Einen Einschnitt brachte die Jahre 1816/17.

1815 brach der Vulkan  Tambora in Indonesien aus. Als Folge kühlte sich das Klima auf der ganzen Erde ab. 1816 kam dann ein Jahr „ohne Sommer“. Missernten, Mangel und Hunger waren die Folge. Schlossbesitzer Scherl schrieb: „ es gab große Not an sämtlichen Lebensmitteln, teils aus Misswachs und Mangel, teils aus übertriebenem Wucher“. 

Trotz aller Veränderungen blieb der Alltag der Menschen geprägt von der Landwirtschaft und vom Durchgangsverkehr der Reisenden auf der Regensburger Straße. Das änderte sich mit dem Eisenbahnbau. 1871 wurde die Bahnlinie von Nürnberg über Feucht nach Neumarkt, 1873 die Fortsetzung bis Regensburg eingeweiht (siehe Verkehr). Der Kontakt zu Nürnberg wurde jetzt intensiver, der Warenverkehr größer. 1849 wurde die St. Jakobskirche erneuert, 1877 eine katholische Kapelle eingeweiht. Sie war sichtbares Zeichen, dass durch den Eisenbahnbau katholische Bürger nach Feucht gezogen sind.

Im 19. Jahrhundert entwickelten die Menschen immer größeres Selbstbewusstsein als gleichberechtigte Bürger im Staat. Markantester Ausdruck dieser Entwicklung war das aufblühende Vereinsleben.

Die 1890iger Jahre brachten für den Reichswald eine Katastrophe nicht gekannten Ausmaßes. Der Kiefernspanner  entwickelte sich im Föhrenwald so massenhaft, dass schließlich 9585 Hektar Wald geschlagen werden mussten. Das waren 31,5 Prozent des Waldbestandes.

Auch weite Flächen um Feucht waren kahl.  Das rigorose Durchgreifen hat sich aber gelohnt. 1896 brach die massenhafte Vermehrung des Schädlings in sich zusammen.

Text: Arbeitskreis Chronik Feucht

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